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Lesung mit Christian Kössler

Das, was man als schauervoll bezeichnet, widerfuhr am Freitag, dem 17.12.2021 den Klassen 2BRG und 2ARG. Es herrschten gefühlt -10 C auf der Veranda des OSZ Schlanders. Nicht eines schrecklichen Mathetests wegen, sondern weil da jemand zu Besuch war und dieser Jemand (man fürchtete sich nicht vor ihm, ganz im Gegenteil - er zog nämlich in uns die Interessen wie ein kleines Kind auf, das man nie wieder loslassen wollte) lehrte uns das „Bammeln“.

Nicht etwa, weil er eine zwei Meter lange Machete mit sich führte. Es war dieses literarische Werk, dieses Kurzgeschichten-Buch „Bestialisches Innsbruck“ mit der Erzählung „Grenzgänger“, das uns allen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ein Buch von Christian Kössler.

Der Text handelt von einer Konversation zwischen einem verkleideten Vampir und einem Taxifahrer. Als dieser fragt, wo der Untote hinwolle, kommen die beiden gleich ins Gespräch und reden über „das“ aktuelle Thema: sieben rätselhafte Morde. Der Fahrgast ist der Überzeugung, dass ein Vampir dafür verantwortlich sei - die Leichen nämlich wurden immer mit Bisswunden an der Halsschlagader sowie mit einem blutgeleerten Körper aufgefunden. Doch der Taxifahrer spottet nur und macht sich darüber lustig.

„Und wie solle man das der Bevölkerung erklären?“,

fragt er höhnisch und lacht. Der Beifahrer entgegnet, dass das der entscheidende Vorteil des Vampirs sei und man ihn so sicher nie finden würde. Der Blutsauger würde nur weiter Nacht für Nacht morden. Er rät dem Taxifahrer auch, niemanden bei sich einzulassen, da es in keinem Haus, in welchem die Opfer umgebracht wurden, Einbrüche gegeben hatte. Als der „Vampir“ dann aussteigt, fragt der Taxifahrer diesen, ob er das Telefon benutzen dürfte, um sich bei seiner Zentrale abzumelden. Der Mann bittet den Fahrer herein und gibt sich auf dessen Frage, was er beruflich so mache, als Reisebüroangestellter zu erkennen. Doch als der Taxifahrer sein Geheimnis in den Raum stellt, bleibt der Fahrgast wohl das letzte Mal angewurzelt stehen… denn am nächsten Tag findet man auch diesen als eines der nun acht Opfer auf…

Da man sich während dem Lesen alles bildlich sehr gut vorstellen konnte, wusste man schon, was man sich zum nach der Erzählung realisierten Kurzfilm, der am Ende der Lesung gezeigt wurde, erwarten konnte. Die Äußerung von Andreas H. – „Ich wäre vor Begeisterung fast vom Hocker gefallen“- zeigt eindrücklich, wie es sich angefühlt hat.

Christian Kössler stellte noch ein anderes Buch vor, denn der Autor interessiert sich auch für Sagen mit ihrem moralischen Fingerzeig… „Man solle nicht mit den Toten spaßen!“ Kössler selbst glaubt nicht an solche Geschichten, doch wenn man selbst auch so empfindet, schwinden diese Überzeugungen während der Lesung, da alles sehr gut beschrieben wird. So auch die Sage von einem Skelett, das vom Fenster aus von einem „Bengel“ genervt wurde, zu ihm hinaufklettert und lediglich von der Turmuhr gestoppt wird, um Rache zu begehen. Man kann sich die Handlung bildlich sehr gut vorstellen.

Und so spannend wie seine Bücher ist auch die Lebensgeschichte des Autors, denn schon im Schul-Alter interessierte er sich für das Schreiben und fand sein Talent auch im Verfassen von Fortsetzungsgeschichten, die er unheimlich ausklingen ließ. Im Jahre 2004 kehrte er erst im Rahmen seiner Ausbildung wieder zu dem Thema zurück. Er begann, Kurz-Geschichten zu schreiben und stellt diese seit 2007 vor Publikum vor – unter anderem gastierte er auch 2012 im Kulturhaus Karl Schönherr, wo er von einer russischen Pianistin begleitet wurde. Insgesamt gibt es bereits mehrere Werke des in Innsbruck lebenden Autors, der gleichzeitig Bibliothekar ist und hoffentlich noch viele weitere Bücher verfassen wird.

Noah Frischmann, 2BRG

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